Ehe wir uns aber mit diesen beiden Fragen beschäftigen, fragen wir uns: Warum wollen wir eigentlich etwas tun? Warum sind wir nicht zufrieden, mit dem, wie alles ist? Warum wollen wir Hand anlegen, an die Dinge, die um uns herum passieren?
Steckt irgendeine religiöse oder philosophische Ideologie dahinter, ein schlechtes Gewissen oder ein tiefes Mitleid mit anderen Menschen, eine gesellschaftliche Verpflichtung, die Angst vor dem Tod, Macht?
- Oder interessieren uns diese Fragen nicht? Nur warum liest du diesen Abschnitt dann noch?
Nun, ich denke, Spenden gilt als ein selbstloser Akt. Ob wir unser hart verdientes Geld, unsere Zeit oder unser Wissen spenden, gilt als prinzipiell uneigennützig. Ich denke, wir können in dem Moment, in dem wir uns ernsthaft mit der Frage beschäftigen, warum wir etwas "hergeben" oder jemandem helfen, auch zu einem ganz anderen Schluss gelangen. Nur fällt uns diese Frage nicht leicht, oder doch?
Was ist unser Problem damit? Die Moral? Der Glaube? Überhaupt: Was ist die Moral? Bedeutet moralisches Handeln etwa tatsächlich nichts anderes, als sich fahrlässig eines entliehenen Wertemaßstabs zu bedienen und die Dinge an demselben zu richten, anstatt mit seinen eigenen Augen zu "schauen"? Ich werde noch darauf zurückkommen oder vielmehr: Du wirst es! - Wenn du es denn willst.
"Wie ist das gemeint?", fragst du. Ich frage: "Ist die Welt letztlich nichts anderes als ICH, als meine Vorstellung von ihr?" Davon abgesehen sind wir still. Wir sind vollkommen still und werten diese Vorstellung nicht. Wir sehen, was ist und ich rede hier nicht von etwas "Höherem", ich rede von nichts Geistigem oder Intellektuellem - Ich rede von "nichts". Was ist, ist uninteressant, denn augenblicklich sind wir beide still...
Ich schätze, an diesem Punkt, in dieser Stille finden wir große Gelassenheit; womöglich die Gelassenheit, die es braucht, um endlich tun zu können, was wir tatsächlich wollen. Die Welt ist inzwischen eine andere: keine bessere oder schlechtere, nur interessiert uns das gar nicht mehr. Und vielleicht ging es uns auch nie um etwas anderes, vielleicht waren wir lediglich das "Werten" leid, die Schmerzen und die Enttäuschungen, die damit verbunden waren, die Qualen niemals sein zu können, was wir gerne wären oder sein sollten.
Vielleicht sind wir nun frei; frei um zu helfen, um Verantwortung zu übernehmen oder um zu sterben, wenn man so will. ICH ist nicht mehr - WIR dagegen durchaus. Hilfe ist keine moralische Verpflichtung mehr oder "gut" - Hilfe ist ganz gewöhnliches Leben, Menschenrechte ein überflüssig gewordener Begriff. Der stille Mensch, der freie Mensch braucht weder Rechte, Verpflichtungen noch Moral. Er braucht nichts.
Ich frage: Warum willst du etwas tun?
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