Von Falangs, kriminellen Hilfsvereinen und Uns

Verfasst von  Welt als Wille
„You have to be careful!“, flüsterte man mir ins Ohr. Eine Ausländerin (ein Falang wie man hier sagt), die Thai spreche und gute Kontakte zu den Camps habe, sei auf unsere Internetseite gestoßen. Sie habe ihren Unmut darüber geäußert. Das könne man nicht machen, sagte sie, es sei sehr schlecht.

Nun, in diesem speziellen Punkt muss ich ihr recht geben. Ich lese mir die Beiträge zu unserer Arbeit durch und sie sind "schlecht". Viele Menschen werden anhand derselben dazu verleitet werden, sich ein Bild von den "Flüchtlingslagern" und der Situation vor Ort zu machen und dieses Bild wird ein verfärbtes sein; verfärbt - auch durch mich. Nur wollte ich … nur musste ich schlichtweg dazu schreiben. Es sollte unser Verhängnis werden...

Hilfsprojekte Burma

Nun, ich wollte ehrlich mit der Seite sein, schonungslos, zumindest meiner bescheidenen Einschätzung nach. Und wird man diese deuten wollen, so wird man sie falsch deuten – zwangsläufig – was nicht bedeutet, dass gewisse Fakten nicht klargestellt werden könnten. Und daran lag es mir - einige Dinge klarzustellen. An Hilfsvereine zu spenden ist nunmal - sofern man an echter Veränderung interessiert ist - unglaublicher Unsinn. Aber ich schätze, darauf wollte die Ausländerin gar nicht hinaus, oder?

Die Wahrheit ist, dass wir uns mit "wahren" Berichten aus den Camps auf sehr dünnem Eis bewegen. Was wir machen ist von Thai/Burma-Seite aus illegal und könnte einen Verein in große Schwierigkeiten bringen. Keiner der Vereine, die ich selber kenne und die in dieser Gegend tätig sind, schreiben offen zur Situation; ganz davon abgesehen, dass viele überhaupt keine Ahnung von dieser haben. Aber auch das meinte unsere Ausländerin wohl nicht. Nur was dann?

Ein relevanter Einwand wäre, dass viele Menschen in den Camps nicht möchten, dass Bilder von ihnen ins Internet geraten. Für Personen, die womöglich nur am Rande mit den Camps und den "Rebellen" zu tun haben, ist bei einer Rückkehr nach Burma jede nachweisbare Verbindung zu den Camps lebensgefährlich. Die Regierung ließe niemanden unbehelligt, der einmal in den Camps gelebt hat. Wir zeigten daher fast ausschließlich Bilder von Kindern auf unserer Seite und nur äußerst selten die von Erwachsenen. Problematisch waren unsere Bilder dennoch und wir wussten schlichtweg nicht, wie wir damit umgehen sollten. Aber, aber, deucht es mich, auch das meinte unser Falang nicht.

Ich überlasse es jedem selber, über ihr vermeintliches Problem mit uns zu spekulieren; wobei angemerkt werden darf, dass heute kaum noch jemand daran zweifelt, dass dieses NGO Geschäft ein dreckiges und von Egos zerfressenes Geschäft sei. Mit dieser Ausländerin fing es jedoch erst an. Kurze Zeit später kam uns ein deutscher Verein, mit dem wir viel zusammengearbeitet hatten, ebenfalls aufgrund unserer Seite in die Quere. Dieser Verein behinderte unsere Projekte vor Ort enorm. In aller Deutlichkeit: Aufgrund dieses Vereines, der sich beleidigt fühlte, weil wir ihm nichts von unserer Internetseite erzählt hatten, konnten wir vielen kranken Menschen nicht mehr helfen und auch unser Impfprogramm mussten wir mittendrin abbrechen. Dieser Verein vereinigt zwei sehr häufig vorkommende Vereinstypen: den "Inkompetenten" und den "Kriminellen". Aber dazu werde ich vielleicht ein andern Mal zu sprechen kommen.

Es ändert alles nichts. Alle Beiträge zu den Camps in Burma sind nun offline, da wir sonst riskieren wüden, unsere gesamte Arbeit vor Ort aufgeben zu müssen. Dafür wird das Themenspektrum nun erheblich erweitert und die fade Schale der Vereinsseite endlich abgeworfen. Und die Menschen, die weiterhin Interesse an den Militär/Flüchtlingscamps entlang der Grenze haben, können sich jederzeit bei uns melden. Ebenso wie das Finanzamt. Soviel zur „neuen“ Seite.

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